Kurzer Abriss über die
Entstehungsgeschichte des Ortes Hövel

Wer etwas über die Ursprünge von Hövel wissen will, muss in der Geschichte unter dem Stichwort "Lindinon" zu suchen beginnen. Dieser Name taucht erstmals im Jahre 793 in einer Privilegienliste des Klosters Werden (heute Stadtteil von Essen) auf.

Hieraus hat sich in den nachfolgenden Jahrhunderten der Name "Linne" entwickelt, der erstmals am 17. März 1220 in einer Urkunde des Klosters Oelinghausen erscheint. Linne bezeichnet hierbei eine Gesamtsiedlung, die die Teile bzw. Höfe "Kercklinne" (das heutige Kirchlinde) und "Aldenlinne" umfasst.

Eine weitere Urkunde vom 2. Oktober 1342, die in Latein abgefasst ist, enthält den Vermerk "Aldenlinne nunc Hoevel appelatur." Zu deutsch: Aldenlinne wird nun Hövel genannt. Ob dieser Zusatz erst später in die Urkunde geschrieben worden ist, weiß man nicht genau, scheint jedoch plausibel, wenn man im 15. Jahrhundert sowohl den Namen Aldenlinne als auch den Namen Hövel in Schriftstücken wiederfindet.

Vermutlich haben auch eine gewisse Zeit Aldenlinne und Hövel nebeneinander bestanden, bevor Aldenlinne in der Siedlung Hövel aufgegangen ist.

Warum diese Umbenennung erfolgt ist, lässt sich heute nicht mehr beantworten.

Bei dem Namen Hövel entdeckt man zweifelsfrei eine Wortverwandtschaft zum niederländischen "heuvel", was zu deutsch Hügel heißt. Dieser geographische Bezug lässt sich nicht leugnen.

In Eintragungen des Kirchenbuches von Enkhausen aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird des öfteren die Bezeichnung "auf dem Hovel" verwendet, die diese Deutungsmöglichkeit unterstreicht.

Doch nun zur weiteren geschichtlichen Entwicklung des Dorfes:

Im frühen Mittelalter stand das gesamte Sauerland unter der Regentschaft der Grafen von Arnsberg, bis 1368 Graf Gottfried IV. seine Grafschaft dem Erzstift Köln vererbte. Dadurch wurde auch das Sauerland dem Herzogtum Westfalen eingegliedert.

Im Laufe des Mittelalters wird auch der kleine Ort Hövel von der überregionalen Geschichte eingeholt. So wird besonders über Hexenverbrennungen ab Ende des 16. Jahrhunderts berichtet:

Da ist von "zauberischen Personen" die Rede, wie zum Beispiel "Schottlers Tochter aus Hövel" (1593), "Anna im Drecke" und der "lahmen Anna" (beide 1628), welche alle verbrannt wurden.

Als weiteres Unheil wütete ab dem Jahre 1615 die Pest in Hövel und forderte viele Tote.

Aus den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wird berichtet, dass Reiter 1622 die Kapelle in Hövel plünderten, 2 Gefangene mitnahmen und einen Toten hinterließen. Nach dem Westfälischen Frieden kehrte wieder etwas Ruhe im Sauerland ein. Etwa 100 Jahre später (1717) zählt der kleine Ort Hövel ca. 110 Einwohner.

Während des Siebenjährigen Krieges lagerten im Sommer 1761 französische Truppen in den Wäldern um Hövel und zerstörten die Ernte auf den Wiesen und Feldern. Zum Ende des 18. Jahrhunderts ist die Landbevölkerung völlig verarmt durch Ernteausfälle, Plünderungen und hohe Abgaben.

1802 bekam das Herzogtum Westfalen einen neuen Landesherren, da es durch den Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg an die Landgrafschaft Darmstadt-Hessen fiel. Zu dieser Zeit lebten in Hövel etwa 180 Personen. Nach dem napoleonischen Zeitalter wurde das alte Herzogtum 1815 Preußen angegliedert.

In den nächsten 40 Jahren entwickelte sich die Einwohnerzahl auf etwa 280 und hielt sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts konstant.

1904 baute man eine Schule in Hövel, damit den Kindern der weite Weg nach Enkhausen erspart werden konnte. 1910 folgte der Bau der Kirche, welche auf den Grundmauern der alten Kapelle errichtet wurde. Diese existierte bereits 1428, wie durch die Inschrift einer alten Glocke belegt werden kann.

Um 1930 konnte man bereits 380 Einwohner verzeichnen; 1965 waren es 485 und heute sind es etwa 610.

Bis zum Jahre 1975 war die Gemeinde Hövel politisch selbständig, bevor sie in die Stadt Sundern eingemeindet wurde.

Der frühere Ortsname lebt auch heute noch in der Bezeichnung der heimischen Schützenhalle weiter. Ihr wurde der Name "Haus Alten Linde" gegeben.

Die besondere Beziehung zwischen Hövel und dem Lindenbaum spiegelt sich an mehreren Stellen wider: Vor der Kirche stand bis in die 80er Jahre eine große Linde, welche durch eine neue ersetzt worden ist.

Im Höveler Wappen ist ebenfalls ein symbolischer Lindenbaum dargestellt. Der Dreiberg im unteren Teil versinnbildlicht den heutigen Ortsnamen Hövel (=Hügel). Die Flügel und die Farben rot und weiß entstammen dem Wappen des Geschlechts von Melschede.