Der Musikverein zwischen 1950 und 1975

Ab den 50er Jahren erreichte unsere Kapelle wieder volle Spielstärke, was in dieser Zeit ca. 18-20 Musiker waren. Allein von 1950 bis 1959 sind 10 Musiker neu in die Kapelle gekommen. Es wurde eine neue Uniform angeschafft, die aus blauen Jacken und Hosen bestand und im Zuchthaus in Werl ausrangiert worden war. Vom Verein wurden noch blaue Schirmmützen dazugekauft.

Das Jubiläumsfest zum 50 jährigen Bestehen unseres Vereins im Jahre 1950 wurde aufgrund der gesamten Nachkriegsauswirkungen im kleineren Rahmen gefeiert. Das 1. Weinfest des Musikvereins nach dem Kriege fand am Sonntag, 21. Oktober 1951 in der Schützenhalle Hövel statt.

Erlaubnisschein zum ersten Weinfest in Hövel am 21.10.1951
Erlaubnisschein zum ersten Weinfest in Hövel am 21.10.1951.
1954 auf dem Sportplatz in Hövel
Unsere Kapelle spielte am 09.05.1954 am Höveler Sportplatz unter der Leitung von Anton König zur Unterhaltung beim Sportfest auf.

Auftritte hatte unsere Kapelle nun fast regelmäßig, ob Prozessionen, Sportfeste, Schützenfeste oder ähnliches.

Unter Mitwirkung unserer Musikkapelle, des Höveler Kirchenchores und des MGV Volkringhausen wurde am Sonntag, 21. Oktober 1956 das Ehrenmal - als Gedächtnisstätte für die Gefallenen und Vermissten unserer Dorfgemeinschaft - eingeweiht. Alljährlich zum Volkstrauertag findet hier eine Gedenkfeier statt, die von unserer Kapelle musikalisch umrahmt wird.

Musikfest in Hagen 1959
Am 10. Mai 1959 nahm der Musikverein am Musikfest in Hagen teil.


Höveler Vereinen sagt ein Schreiben des Musikvereins an den Sportverein vom 11. Mai 1957 aus:

Auf die mündliche Aufforderung von dem Sportsfreund Ferd. Feldmann Zu Ihrem ds. jh. Sportfeste, geben wir Ihnen folgendes Angebot ab: Der Preis beträgt mit Samstagabend 200.-- DM, sollte aber das Fest durch irgend welche schlechte Witterungseinflüsse schlechten Betrieb haben, so ist der Musikverein bereit das Fest für 180.-- DM zu spielen. Der Preis versteht sich bei freien Getränken und abends einen kleinen Imbiss.         gez. Anton König

Am 14.10.1956 fand die Gründungsversammlung des Landesteils Westfalen im Deutschen Volksmusikerbund in Müschede statt. Während der Versammlung erklärte sich auch der Musikverein Hövel neben 16 weiteren Musikvereinigungen spontan zur Mitgliedschaft bereit und kann zu den Gründungsmitgliedern gezählt werden.

Aus der Westfalenpost vom 3. Januar 1969
Aus der Westfalenpost vom 3. Januar 1969

Im Juli 1959 wurde Heinrich Lübke zum Bundespräsidenten gewählt. Seine Heimatgemeinde Enkhausen richtete am 18. Juli 1959 seinem Bürger und nunmehr erstem Bürger des Staates einen grandiosen Empfang aus.

Auszug aus dem Neheim-Hüstener Volksblatt vom 20. Juli 1959:

[...] Der Gemeinderat im festlichen Schwarz mit Zylinder, der Vorstand der Schützenbruderschaft mit Schärpen und grünen Mützen, gaben den hohen Gästen unter Böllerschüssen von den nahen Hügeln, dem Jubel der Menge und den feierlichen Weisen der Höveler Musikkapelle das Geleit zum Kirchplatz. [...]

In den weiteren Jahren brachte unser Verein dem Bundespräsidenten jeweils am Neujahrsmorgen in seiner Heimatgemeinde Enkhausen ein "wohlklingendes" Ständchen.




Das 60 jährige Bestehen unseres Musikvereins wurde am 20. und 21. August 1960 in der Schützenhalle gefeiert. Am Samstag wurden die Jubilare im Gründerhaus Schulte-Backs abgeholt. Nach Ehrungen und Ansprache des Landesvorsitzenden "Deutscher Volksmusikerbund Landesteil Westfalen" erklang der Große Zapfenstreich unter Mitwirkung des Trommlerkorps Stemel. Weitere Konzertaufführungen des Musikvereins und des Kirchenchores "Cäcilia" Hövel rundeten das Programm ab. Der Sonntag begann bereits um 5.00 Uhr mit dem musikalischen Wecken. Nach Empfang der auswärtigen Vereine und Festzug erfolgte nunmehr ein Gemeinschaftschor aller teilnehmenden Musikvereine (Musikverein Hövel, Hagen, Balve, Allendorf, Sundern und Beckum) vor der Schützenhalle. Der Tanzabend wurde vom Musikverein Beckum musikalisch gestaltet.

Festzug zum Jubelfest 60 Jahre Musikverein Cäcilia Hövel
Unsere Musikkapelle beim Festzug zum Jubelfest 60 Jahre Musikverein "Cäcilia" Hövel am 20. und 21. August 1960 vor der Scheune des Bauernhofes Cordes
Massenchor nach dem Festzug 1960
Nach dem Festzug am Sonntag fand vor der Schützenhalle ein Massenchor mit allen beteiligten Musikvereinen statt. Die Gesamtleitung übernahm Obermusikmeister Zander aus Menden.

Nun ging es Schlag auf Schlag mit unseren musikalischen Aktivitäten weiter. Wir spielten Schützenfeste, besuchten befreundete Musikvereine zum Musikfest usw.

Geselligkeit und Spaß kamen in diesen Jahren auch nicht zu kurz. Unter anderem wurden in dieser Zeit Tagesausflüge durchgeführt, wie zum Beispiel 1961 nach Suttrop. Unser damaliger 1. Vorsitzender Franz Flügge bedankt sich in einem Schreiben für die herzliche Aufnahme in Suttrop:

Ausflug Ende der 50er Jahre
Ausflug des Musikvereins Ende der 50er Jahre. Dem Fotografen stellten sich stehend v.l.n.r.: Theodor Honert sen. +1959, Franz Flügge +1962, Anton König +1974, knieend v.l.n.r. Josef Vornweg, Theodor Danne sen. +1971

Meine liebe Familie König, [...] verbunden mit dem Dank für den herzlichen Empfang, sowie für die gute Bewirtung, in fester und flüssiger Form [...] Wir hatten an jenem Abend einen Autobus voll zufriedener Leute. Ich hoffe, daß auch Ihr Euch über unseren Besuch gefreut habt und daß keiner von uns ein Ärgernis hinterlassen hat.[...]

Plakat zum Herbstfest 1961
Plakat zum Herbstfest 1961

Am 8. Oktober 1961 fand ein Konzert mit anschließendem Tanz im Haus Altenlinde statt. Bemerkenswert ist hier, wie die Plakate auf diese Veranstaltung hinwiesen.

1962 wurden neue Uniformen angeschafft. Hierzu wurden von Theo Honert DM 1.200,00 gestiftet, jedoch mit der Maßgabe, die Farbe auszuwählen. Fortan trugen die Musiker bei allen Auftritten dunkelrote Uniformjacken und wurden in Musikerkreisen als die roten Teufel tituliert.

Innerhalb des Vereins wurde nun auch eine kleine Kapelle gegründet. Ob Grün-Gelber des Sportvereins, Theateraufführungen mit Kaffeetrinken der Frauengemeinschaft oder Karneval: Diese kleine Kapelle spielte bei vielen Anlässen zu Tanz und Unterhaltung auf.

Im Dezember 1962 wurde Anton König - Kapellmeister unseres Vereins - zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im Jahresbericht wird von folgenden Auftritten berichtet: Schützenfeste in Bredenbruch und Eisborn, Sportfest in Hövel, Musikfest in Sundern, Kriegerfest in der Oelinghauser Heide, Ständchen zum Geburtstag des Bundespräsidenten Heinrich Lübke in Enkhausen, Musikfest in Hövel, Sängerfest in Enkhausen, Prozessionen in Enkhausen, Eisborn und Hövel. Laut Mitgliederbestandsliste hatte unser Verein zum 1.1.1963 18 aktive Musiker und 1 passives Mitglied (Josef Blei als 2. Vorsitzender).

Im Jahr 1963 übernahm unsere Kapelle die Festmusik zu 4 Schützenfesten. (Enkhausen, Eisborn, Wennigloh und Oelinghauser Heide). Als Entgelt erhielten wir hierfür bei einer Besetzung von 16-17 Musikern DM 1.600,00 - 1.700,00.

Schützenfestmontag in Wennigloh - 29. Juni 1964
Schützenfestmontag in Wennigloh - 29. Juni 1964

In der Generalversammlung am 30.12.1965 erklärte der 1. Vorsitzende und Kapellmeister Anton König, daß er baldmöglichst eine Entlastung auf dem Dirigentenposten wünscht. Elmar Danne und Martin König erklärten sich bereit, an dem in Müschede stattfindenden Dirigentenlehrgang teilzunehmen.

Johannes Allefeld bei Karnevalsfeier
Wodrüber denkt Johannes Allefeld bei einer Karnevalsfeier in der Höveler Schützenhalle wohl gerade nach?
Josef Vornweg
Der heutige Ehrenvorsitzende Josef Vornweg


Eberhard Baulmann
Eberhard Baulmann mit seiner kleinen "Es-Piepe"


Gleichzeitig wurde als weiterer wichtiger Punkt die Nachwuchsfrage erörtert. An diesem Abend waren 3 Jugendliche zufällig in der Gastwirtschaft Feldmann, wo auch die Generalversammlung abgehalten wurde und erklärten sich spontan bereit, sich im musikalischen Spiel zu versuchen. Unser Musikfreund und Gönner Heinrich Gerling aus Stemel sprach diese Jugendlichen direkt an: Wenn Ihr auf der nächsten Prozession in Enkhausen spielt, bekommt jeder von mir DM 100,00. Dieses sprach sich schnell herum und aus den ursprünglich 3 Jugendlichen wurden insgesamt 7 Jungmusikanten Im Alter von 15-17 Jahren. Es wurden Anfang Januar 1966 an diese "Jungmusikanten" Instrumente ausgegeben. (Dieses wurde von Anton König nach Körperstatur der Jugendlichen und Vorhandensein von Instrumenten allein festgelegt). Ab sofort wurde geprobt und alle Jungmusikanten spielten am 21. Mai 1966 die 1. Prozession in Eisborn und am 25.5.1966 in Enkhausen.

Zur Einweihungsfeier der komplett renovierten bzw. umgebauten Schützenhalle in Hövel spielten wir am Samstag, 17.9.1966. Der offizielle Festakt mit Grundsteinlegung am 18.9.1966 wurde zusätzlich noch vom Doppelquartett Chor Lünen musikalisch umrahmt. Da der Reinerlös des Festes für die Renovierung unserer Kirche bestimmt war, spielte unsere Kapelle selbstverständlich unentgeltlich. Durch den Umbau der Schützenhalle und Einbau einer Heizung konnte nun unser Verein seine wöchentlichen Proben, die bisher im Gasthof Feldmann durchgeführt wurden, in der Schützenhalle abhalten. Dieses hat bis zum heutigen Tage noch Bestand.

Die Generalversammlung am 30.12.1966 brachte eine Wende in der musikalischen Leitung des Vereins. Für Anton König, der seit 1927 Kapellmeister war, wurde Elmar Danne als neuer Dirigent und Martin König als stellvertretender Dirigent gewählt. Auf Vorschlag der Versammlung wurde Anton König einstimmig zum Ehrendirigenten gewählt.

Anton König
Anton König legt 1967 nach 40 Jahren den Taktstock in jüngere Hände.


Zum Abschluß des Dirigentenlehrgangs, der in der Schützenhalle Hövel unter Leitung von Landesdirigent Franz Schulte, Müschede stattfand, wurde am 19. März 1967 unser langjähriger Dirigent, Ehrendirigent und 1. Vorsitzender Anton König aus der Hand von Landesleiter Friedel Heimann, Müschede mit der Förderermedaille in Silber des Deutschen Volksmusikerbundes ausgezeichnet. Anschließend übergab Anton König den Dirigentenstab offiziell an seinen Nachfolger Elmar Danne.

Die 11. Jahreshauptversammlung des Landesteiles Westfalen im Deutschen Volksmusikerbund fand am 11. November 1967 in Hövel statt.

Die musikalische Umrahmung dieser Versammlung hatte unsere Kapelle übernommen. An den Jahrestagungen der vergangenen Jahre nahmen Vertreter unseres Musikvereins regelmäßig teil.


Zum 1.1.1968 hatte unsere Musikkapelle 23 aktive Musiker. Wie aus den Jahresberichten zu ersehen ist, wurden von Jahr zu Jahr immer mehr Auftritte unserer Kapelle gezählt. Ob Schützenfeste, Musikfeste, Prozessionen oder Geburtstagsständchen:

Der Musikverein Cäcilia Hövel war immer zur Stelle.

Am 18. und 19. April 1970 veranstaltete der Musikverein ein Jubiläumsfest aus Anlass des 70jährigen Bestehens in der Schützenhalle Hövel. Die Schirmherrschaft hatte Amtsbürgermeister Josef Klauke aus Hachen übernommen. Am Samstag nahmen am Festzug und Konzert 16 Musikvereine teil und am Sonntag 8 Musikvereine und Tambourcorps. Das Konzert und die Gemeinschaftschöre an beiden Tagen waren wieder eine eindrucksvolle Dokumentation der Volksmusik für Hövel und für die Öffentlichkeit. Zu diesem Fest konnten zahlreiche Jubilare geehrt werden:

Mit dem Vereinsehrenbrief die Gründer Johannes Honert, Clemens Schulte und Theodor Kersting, mit den Vereinsehrenbrief die Förderer Heinrich Gerling und Klemens König, mit dem Bundes-Ehrenbrief Eberhard Baulmann, Johann Danne, Theodor Danne und Anton König mit der Bundes-Ehrennadel in Gold Albert König und Josef Vornweg mit der Bundes-Ehrennadel in Silber Elmar Danne, Theo Danne und Rudi Flügge mit der Bundes-Ehrennadel in Bronze Johannes Danne, Josef Henke, Gregor Israel, Martin König, Reinhold Lürbke und Heinz Mette.

Rechtzeitig zu diesem Fest wurden am 10. April 1970 unsere neuen grünen Uniformen von Schneidermeister Willi Danne aus Oelinghausen geliefert.

Am Freitag, 8. Mai 1970 wurde Bürgermeister Anton König von Landrat Tillmann das Bundesverdienstkreuz überreicht. Für unsere Kapelle war es selbstverständlich, diese Feierstunde für unseren 1. Vorsitzenden musikalisch zu umrahmen.

Zur Jubiläumsfeier des Sportvereins FC Sauerlandia 1911 Hövel am 22. und 23.5.1971 aus Anlass des 60 jährigen Bestehens übernahm unsere Kapelle die musikalische Gestaltung.

Ein lustiges Pony-Reiten fand am 10. September 1971 in Eisborn statt. Mutige Musiker ritten von Eisborn zum Gasthof Steinberg in der Asbeck, wo wir vom Schützenkönig Steinberg zur lustigen Runde eingeladen waren und beim anschließenden "Reiterball" zur Unterhaltung und zum Tanz aufspielten.

Über mangelnde Aktivitäten konnte sich unser Musikverein nicht beklagen; so wird im Jahre 1971 über 36 öffentliche Auftritte und 42 Probeabende berichtet, bei 24 aktiven Musikern und 6 Jungmusikern unter 18 Jahren.

Am 14. April 1972 wurde Altbundespräsident Heinrich Lübke in seinem Heimatort Enkhausen zu Grabe getragen. Auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte begleiteten wir den Trauerzug musikalisch.

Eine für DM 6.000,00 angeschaffte Verstärkeranlage konnte erstmals während des Schützenfestes in Eisborn am 23., 24. und 25. Juni 1973 eingesetzt werden.

Testament

Am 10. Juli 1974 wurde unser Vorsitzender und Ehrendirigent Anton König 70 Jahre. Wir brachten ein musikalisches Ständchen. Das Geburtstagskind überreichte anschließend Dirigent Elmar Danne einen versiegelten Briefumschlag mit der Aufschrift: NACH MEINEM TODE SOFORT ZU ÖFFNEN.      GEZ. ANTON KÖNIG.

Dieser Brief wurde im Tresor der Poststelle in Hövel aufbewahrt. Doch 6 Wochen später, am 29. August 1974, verstarb Anton König plötzlich und unerwartet. Wir öffneten den Brief und erfüllten in allen Einzelheiten seinen letzten Willen.

Unter Anteilnahme der gesamten Dorfbevölkerung, sowie Musikfreunden aus der Nachbarschaft u. Abgeordneten aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, wurde er am 1. Septembersonntag zu Grabe getragen. In Dankbarkeit wird der Musikverein "Cäcilia" Hövel seiner stets gedenken.

Die nächsten Monate standen nun schon ganz im Zeichen des bevorstehenden Jubiläums "75 Jahre Musikverein Cäcilia Hövel". In der Generalversammlung am 28. Dezember 1974 wurde für den Verstorbenen 1. Vorsitzenden Anton König unser aktiver Musiker Josef Vornweg als neuer 1. Vorsitzender gewählt.